Konzerthaus Die Glocke

Die Erweiterung der Die Glocke fügt sich in das denkmalgeschützte Gefüge der Bremer Dominsel ein. Anstatt eine singuläre architektonische Geste zu setzen, arbeitet das Projekt mit Nähe und Zurückhaltung. Es erweitert das bestehende Ensemble und lässt zugleich dessen unterschiedliche Zeitschichten klar ablesbar. Ein neuer Baukörper wird neben dem historischen Konzerthaus angeordnet und durch eine schmale verglaste Fuge von diesem getrennt. Dieser bewusst bemessene Abstand schafft einen klaren Dialog zwischen Alt und Neu. Die erhaltenen Fassaden entlang der Domsheide werden als integraler Bestandteil der Komposition einbezogen, während sich ein Kupferdach in einer Folge geneigter Dachflächen entfaltet, die auf die umgebende Silhouette Bezug nimmt und die Identität des Ensembles stärkt. Im Zentrum der Erweiterung liegt der Musikerlebnisraum, ein elliptischer Aufführungsraum, der um eine zentrale Bühne organisiert ist. Das Publikum umgibt die Aufführenden, wodurch die konventionelle Trennung zwischen Bühne und Saal reduziert und ein gemeinsames Musikerlebnis gefördert wird. Tageslicht fällt von oben und über die Randbereiche ein, sodass sich der Charakter des Raumes im Verlauf des Tages verändert und zugleich ein breites Spektrum an Aufführungsformaten ermöglicht wird. Die Erweiterung ist als kontinuierliche Abfolge miteinander verbundener Räume organisiert. Foyers, Hospitality-Bereiche, Werkstätten und der Musikclub können gemeinsam oder unabhängig voneinander betrieben werden. Dadurch kann das Gebäude im Laufe der Zeit unterschiedliche Nutzungsformen aufnehmen. Auch der neue und der bestehende Konzertsaal können entweder als Teil einer gemeinsamen Institution oder als eigenständige Veranstaltungsorte funktionieren. Das Projekt verbindet den sorgfältigen Erhalt der bestehenden Bausubstanz mit einer leichten zeitgenössischen Konstruktion. Die Umweltstrategie basiert auf passiven Prinzipien – natürlicher Lüftung, thermischer Masse und geothermischer Temperierung des Erdreichs – und reduziert so die Abhängigkeit von mechanischen Systemen, während zugleich ein dauerhaftes und widerstandsfähiges Gebäude unterstützt wird. Anstatt ein einzelnes architektonisches Objekt vorzuschlagen, schafft das Projekt eine Reihe von Beziehungen: zwischen Alt und Neu, zwischen Aufführung und Alltag sowie zwischen der Institution und der Stadt. Auf diese Weise wird Die Glocke nicht nur räumlich erweitert, sondern auch hinsichtlich der Vielfalt der Erfahrungen, die sie ermöglichen kann.

Projekttyp : Kultur · Konzerthaus · Sanierung
Standort : Bremen, Deutschland  
Klient : Freie Hansestadt Bremen  
Architekt : Davide Lorenzato, Jaime Batlle, Diana Carbonell, Ignacio Arizu, Lluís Dilmé, Xavier Fabré
Lokale Architekten: JSWD Architekten
Berater : MVD GmbH, BAURCONSULT Architekten Ingenieure, Kiwa GmbH, Kahle Acoustics
Team : Julian Wagner, Laura Carlos, Cristina Zehe, Robert Pohle, Lidia Orellana, Nia Sikharulidze, Caroline Geise
Termine : Wettbewerb 2024 | Projekt seit 2025
Oberfläche : 15.135 m²  
Status : In Bearbeitung
Preis : 1. Preis